erlebt – überlebt – gewachsen
erlebt – überlebt – gewachsen.
Es ist mir ein besonderes Anliegen, zu erwähnen, das gewachsen zu sein für mich nicht bedeutet, dass aller Schmerz, alle Ängste und alle Scham oder auch alle Wut bereits erkannt und integriert sind, auch wenn die Überschrift das vielleicht nahe legt.
Gewachsen sein und zu wachsen bedeutet, für mich Schritte zu gehen, die dich zu dir selber führen. Schritte, die deinen unverhandelbaren Wert und deine unverhandelbare Würde, deine Bindungsfreude, deiner Offenheit, dein Interesse, deine Kreativität und deine Freude an dir und der Welt wieder in das Zentrum deines Lebens stellen.
Es geht nicht darum, dass all dies bereits gelungen und verstanden ist, sondern es geht darum, sich gemeinsam auf den Weg zu machen.
Es geht darum, den Schmerz, den du fühlst, Schritt für Schritt annehmen zu lernen, ohne jedes Mal sich ausgeliefert und mchtlos zu fühlen.
Es geht nicht darum, völlig abgeklärt zu sein und die hohen Wellen der Emotionen bereits in ein sanftes Plätschern verwandelt zu haben, sondern es geht darum, sich sanft und freundlich dem Unaushaltbaren immer wieder zuzuwenden.
Es geht eher darum, zu lernen, sich nicht von sich abzuwenden oder Anforderungen an sich zu stellen, was bereits geleistet sein sollte, sondern immer wieder einen liebevollen Blick auf deinen eigenen Prozess zu werfen, ohne zu bewerten, wo du gerade befindest.
Anzuerkennen, dass deine Entwicklung, jede Entwicklung nicht gradlinig verläuft, sondern wie das Leben selbst Schlenker nimmt und in Spiralen mäandert.
Es geht darum, dass es dir immer öfter gelingt, einigermaßen gelassen zu bleiben, wenn du die Erwartungen Anderer hörst, wie du mit dir und deiner Geschichte umzugehen hast und den eigenen Weg nicht zu verraten, sondern sich selbst gegenüber immer loyaler zu sein.
Es geeht darum, dass du dir die Zeit nimmst, die du brauchst, Pausen machst, Wiederholungen erlaubst, Freundlichkeit und Neugier da sein lässt und mit gesunder Abgrenzung deinen eigenen Weg erkundest. Das vermeinliche Rückschläge häufig zu einer intensiveren Betrachtung, evtl auf einer neuen Ebene einladen.
Menschen, die komplexe Traumatisierungen durch ihre engen Bezugspersonen in frühen Jahren erleben mussten, konnten damals nicht einordnen, dass das, was sie erleben mussten, nicht „normal“ war, und vor allen Dingen, dass sie keine Schuld, wenn man dieses Wort hier bemühen möchte, traf, an dem, was ihnen passiert ist.
Da Kinder aber nicht in der Lage sind das, was ihnen begegnet ist zu reflektieren, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, das was ihnen entgegengebracht wurde, ganz auf sich zu beziehen.
Eine schwerwiegende Folge davon ist häufig, dass diese Menschen dann ihr Leben lang mit der Frage zubringen, was sie tun müssen, oder wie sie sein müssten, oder was sie besser machen könnten, um geliebt zu werden.
Sie beginnen ihre Suche also nicht damit, was sie unterstützen und nähren könnte, was ihnen gut täte, wie sie einen eventuell entstandenen Mangel nähren könnten, oder auch, wer sie in der Tiefe wirklich sind, sondern mit der Frage, in welcher Art und Weise sie sich selbst formen müssten, um liebenswert zu sein. Was für eine fatale Suche, denn sie führt dazu, dass verlassene Kinder sich selbst verlassen und sich als ungenügend empfinden und oft damit in sich selbst sehr einsam sind.
Erlaube dir eine gewisse Distanz, eine gewisse Skepsis, wenn du Erwartungen spürst, auch eigene Erwartungen, wie du angeblich sein solltest, dass du doch eigentlich schon ein Stückchen weiter sein solltest, dass wenn Du dich nur ein wenig mehr bemühen würdest, alles besser wäre.
Erlaube dir immer wieder zu spüren, ob diese Erwartungen eher in die Weite führen, oder dich unter Druck setzen?
Erlaube dir immer wieder zu spüren, was du immer noch vermeiden möchtest, um dich zu schützen, welchen Tiefen du ausweichst, weil sie sich unaushaltbar anfühlen?
Erlaube dir, dich immer wieder auf die Suche nach dir zu machen.
Und es ist schön, wenn es dir dann gelingt, dich nicht zu verurteilen, sondern dich dir sanft und freundlich zuzuwenden wie einem zarten, frischgetriebenen Pflänzchen, welches Sorgfalt und Zuwendung so nötig hat.
Ich wünsche mir für uns Neugier, Forschergeist und weite Fehlerfreundlichkeit für unseren Weg und wachsendes Vertrauen in die eigene Kraft und in den eigenen Wert.
Ich wünsche mir für uns Wertschätzung und Anerkennung für die Überlebensleistung eines jeden einzelnen.
Ich wünsche uns ehrliche und unverstellte Begegnungen, die uns die Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen bestaunen lässt und jedem Einzelnen den Raum gewährt in Verbindung mit sich selbst dazu sein.
Und ich mag uns einladen, unsere Gedanken und unsere Gefühle diesbezüglich auszutauschen.
Ich wünsche Dir von Herzen Freude und wohltuende Erkenntnisse beim Forschen und freue mich über jede Rückmeldung, jeden Denkanstoß oder auch Frage.
Herzensgrüße Chris

